Die Entdeckung der süditalienischen Langsamkeit


Immer wieder werde ich von meinen Gästen gefragt, was so anders an meinem Leben in Apulien ist. Mal abgesehen von den besserern Durchschnittstemperaturen und dem guten Essen...

finde ich seit Neustem immer mehr Gefallen an der süditalienischen Langsamkeit.


Zeit hat hier einfach eine andere Dimension oder besser; man lässt sich durch eine tickende Uhr überhaupt nichts vorschreiben. 2013 bin ich hier angekommen. Als erstes fiel mir auf, dass es hier oft vorkommt, dass man im Verkehr warten muss. Der Fahrer vor mir muss nämlich noch sein Pläuschchen zu Ende führen. Auch kann man nicht schnell bei Jemanden vorbei fahren, denn dazu gehört grundsätzlich immer ein Kaffee und ein längerese Gespräch...

Spätestens bei der Umsetzung diverser Projekte stellte ich mir mit meiner deutschen Ungeduld so manches Bein.


Es war für mich ein langer Lernprozess. Vorallem musste ich verstehen, dass mein ständiger Drang alles zu optimieren bei meinen süditalienischen Freunden sich in achselzuckendes Unverständniss äußerte. So kann ich das Sprichwort "Die Deutschen leben, um zu arbeiten und die Süditaliener arbeiten, um zu leben" durch meine Erfahrung in Apulien nur bestätigen.


Ich bin in Deutschland sozialisiert und im geheimen auch ziemlich stolz auf meine Produktivität und sehr oft schimpfe ich wie ein Rohrspatz auf diese Langsamkeit. Aber da ist auch etwas, dass mich fasziniert seid ich das erste Mal hier in Süditalien bin und das ist diese Leichtigkeit, "La dolce vita" eben! Denn trotz des harten mediterranen Alltags, den ich mit dem Lebensstandard im Norden oder Deustchland vergleiche, weht hier eigentlich immer eine Brise guter Laune. Cool.



Wie machen die das? Sicher ist weniger "to do listen" und mehr "hier und jetzt " sein. Aber ganz ehrlich, das sagt sich wirklich leichter als getan.



Sicher ist, dass das Geniessen hier in Apulien eine große Rolle spielt. Was das Verwöhnen der Geschmacksnerven angeht sind diese Italiener eindeutig besessen. Ich würde sagen, mindestens 50% des Gesprächsstoffes dreht sich hier um, "wo finde ich qualitativ, hochwertige Nahrungsmittel" und wie bereitet man es am besten zu. Selbst nach einem drei stündigen Essen, kennt die Begeisterung einfach keinen Grenzen und man plant freudig für das nächste Beisammensein die Menureihenfolge.


Diesen Sommer bin ich der Leichtigkeit auf jeden Fall durch meinen Gemüsegarten schon einige Male näher gekommen

Nachdem ich aus mehreren Samen verschiedene Pflänzlein hochgezogen hattte, versuchte ich es dieses Jahr mit einem Bewässerungssystem. Gut, ich habe einmal abends vergessen den Wasserhahn zu zudrehen, so dass am nächsten Tag unsere Zisterne leer war. Wohlgemerkt das Wasser ist hier fast so heilg wie Olivenöl. Aber in mir hat sich etwas verändert...sowas wie ein Buddha- gefühl hat sich in mir breit gemacht...

Ich fühle mich unabhängig. Gehe mal eben in meinen Garten und hole mir unter lautem Zirpen der Zikaden unser Mittagessen.

Ein unbeschreiblich, freies Gefühl und dieser Geschmack...con gusto.

Für mich eine Interessante Erfahrung. Es kann nichts beschleunigt werden und jede Handlung muss zum richtigen Zeitpunkt stattfinden, denn alles hat seinen natürlichen Rhythmus und dem ordne ich mich einfach unter. Ein stetiges hegen und pflegen. Dann die Ernte:

Peperoni, Arischocken, Tomaten-Zöpfe pflechten, einkochen...

Dann die wohlverdiente Siesta in der Hängematte... in der lauen Meeresbrise.

Viel Zeit allein, während meine Hände wie von selbst vor sich hinarbeiten... entspanne mich dabei, fühle mich mit allem verbunden, mit meiner Familie in Deutschland, mit der ganzen Welt und allen Generationen vor meiner Zeit, naja buddhamässig eben. Hier bin ich jetzt, mitten in der Natur zwischen rauschenden, uralten Olivenbäumen. Hier in der Casa Oliveri lasse ich meine Gedanken treiben und sie laufen garantiert nicht in eine Sackgasse. Und ich lächle vor mich hin, wie die anderen hier...Fast schon wie die Süditaliener.



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